|
Das Ende stand vor der Tür. Am 15. Dezember 1976 brach für Hamborns Schacht Friedrich Thyssen 2/5 zum letzten Male der graue Alltag an. Die 80 jährige Grube hat bis zur allerletzten Tonne ihre Schuldigkeit getan. Mehr gab es nicht zu holen. Nun kommt „der Deckel drauf“, wie Zechen Direktor Walter Schwarz sich ausdrückte. Ein Ende ohne Schrecken, ganz im Gegensatz zu so mancher Zechenschliessung in den letzten Jahren auf Duisburger Boden.
Die Hinterbliebenen sind abgesichert: Verlegung oder Ruhestand. Nicht wenige ziehen den endgültigen Abschied vom Bergbau einer Verlegung vor. Keine schwarzen Fahnen, keine Protestmärsche. Die Zeiten haben sich geändert.
 
Doch wenn sich das letzte Mal hinter einem das Zechentor schliesst, wird's einem doch „komisch“, gesteht Heinrich Koslowski, ein Mann der es wissen musste. Er hat das alles schon zweimal erlebt.
Und am Tresen der Eckkneipe fliesst auch schon mal eine Träne. Pütt ist nun mal Pütt. Ist er plötzlich nicht mehr da, weiss man erst, was man an ihm gehabt hat.
Ansicht 1922

Das Ende wäre früher gekommen...
Das Ende wäre um Jahre früher gekommen, hätten es die Hamborner Kumpel nicht fertig gebracht, immer und immer wieder eine Schippe draufzulegen. Und dies unter kaum mehr verantwortbaren Bedingungen, bei fast 40 Grad Hitze in über tausend Metern Tiefe.
Das Ende wäre auch früher gekommen, ruhte in Hamborner Erde nicht eine Kohle von höchster Qualität. Hamborner Kohle, das war so etwas wie ein Leibgericht für die Thyssen – Hochöfen, vornehmlich für den ,,Schwarzen Riesen“ kaum eine Kohle eignete sich besser für die Verkokung, als das schwarze Gold aus Schacht 2/5.
Und schliesslich: Das Ende wäre auch dann früher gekommen, wäre nicht die Technik da eingesprungen, wo der menschliche Einsatz allein die Probleme nicht mehr meistern konnte.
Das Projekt Pollmannshof, ein gigantischer Förderturm unter Tage, ermöglichte es erst, den 10 Millionen -tonnen Fettkohlen – Vorrat unterhalb der neunten Sohle zu erschliessen.
Hier war die Teufe bei ca. 1155 m.
Mit all dem war nun Schluss. Alt-Hamborns letzte Zeche ist der Abschluss einer Tradition die vor exakt 100 Jahren mit der Inbetriebnahme des Schachtes 1 in Alt-Hamborn 1876 ihren Anfang nahm. Die Kohle zog sich auf Raten aus Duisburg zurück. Und sie machte sich dabei wenig beliebt. Zechenschliessungen hinterliessen ratlose Bergarbeiterfamilien und ein ebenso ratloses Gemeinwesen.

Von Kohle will Duisburg nichts mehr wissen
Duisburg brach mit der Kohle radikal. Die ehemals stolze Stadt Montan schämte sich ihres Images. Nichts sollte mehr bleiben, was an die Kohle Vergangenheit erinnerte. Und nirgendwo wurde dies deutlicher als in Neumühl, wo man es sogar fertig brachte, alte bergmännische Strassennamen durch beziehungslose deutsche Städte oder Männer zu ersetzen. Das Unrecht, das man damit all jenen Bürgern dieser Stadt zufügt, die für die Kohle gelebt haben, wurde freilich nicht bedacht.
Der Protest dieser plötzlich Unbeliebten kam schliesslich dann offen zum Ausbruch, als die Stadt auch noch zur Vernichtung, dessen schritt, was der Bergmann stets als sein Ureigenstes betrachtete: Haus und Garten.
Es kommt nicht von ungefähr, dass dem Bergbau just in Neumühl das einzige Denkmal auf Duisburger Boden errichtet wurde (ca.: 1973). Nicht etwa auf Betreiben der Stadt, sondern durch die Initiative und unter tatkräftiger finanzieller und ideeller Unterstützung ehemaliger Kumpel.

Erst Jahre später, wurden etliche Seilscheiben im Stadtgebiet von Duisburg aufgestellt. Hier eine Seilscheibe in Rheinhausen. Der Bergmann hat die Rolle, die er im entmontan visierten Duisburg spielte, nicht verdient. Unzählige haben ihre Gesundheit (viele auch ihr Leben) für das Gemeinwohl und damit auch für diese Stadt, geopfert. Mit dem Schicksal eines Bergmanns das für tausend andere stehen könnte, beschäftigen sich die folgenden Zeilen:
Nachruf hat folgenden Wortlaut:
Der letzte Thyssen-Schacht ist bald passé, ist abgesoffen, ist zugekippt mit schmutzig schwarzen Steinen. Die goldenen Diamanten sind längst heraufgeholt. Was noch unten ist, ist für die Ratten. Fast hundert Jahre ist es her, dass die Tonne Kohle nach Millionen Jahren das Licht der Sonne sah. Inzwischen sind fast 92 Millionen Tonnen. Aber längst ist alles wieder in Energie zurück gewandelt worden. Geblieben ist die Erinnerung. Eine schwere, aber gute Zeit. So manches Leid musste ertragen werden.
Zwei große Grubenbrände in den Jahren 1973 und 1975 hätten bald der Schachtanlage das aus gebracht. War das Feuer noch so gross, es wurde gelöscht. War die Katastrophe noch so grausam, sie wurde gemeistert. Mit Tränen in den Augen wurde so mancher Kollege zu Grabe getragen. Vergessen sind sie nicht. Die Zeit rast weiter, deckt alles zu, macht alles stumm.
Allgemeines über die Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5
A.) Grubenfeld und Markscheiden
Das Grubenfeld der Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 gehörte zum Felderbesitz der Friedrich Thyssen Bergbau AG. (ehemalige Gruppe Hamborn der G.B.AG). Es erstreckte sich über eine Fläche von 19.400.000 m² und entstand durch Zusammenlegung der Anlagen Friedrich Thyssen 2/5, Rhein 1, Rhein 5 und Friedrich Thyssen 1/6.
Die angrenzenden Grubenfelder lagen:
im Norden die des Verbundbergwerkes Walsum G. m. b. H und der Schachtanlage Lohberg,
im Osten die Schachtanlage Neuoberhausen und Neumühl,
im Süden die Grubenfelder Friedrich Thyssen 4/8 und Beeckerwerth und
im Westen das Feld Rheinland 2.
Zwischen dem Verbundbergwerk Walsum und der Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 verlief die Markscheide, die wurde aus abbautechnischen Gründen nachträglich berichtig. Im Süden stellte die Hamborner Verschiebung eine natürliche Baugrenze dar. Die westliche Feldesgrenze verlief durch die Mitte des Rheinstromes.
B.) Geologische Verhältnisse.
Im Baufeld der Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 stand das produktive Karbon in seiner gesamten Mächtigkeit an.
Im Einzelnen fallen davon auf:
die Dorstener Schichten = 320 m
die Horster Schichten = 368 m
die Essener Schichten = 396 m
die Bochumer Schichten = 150 m
Das Deckgebirge, das in diesem Baufeld das Karbon überlagerte, war verschieden mächtig.
Während es im südlichen Baufeld nur 120 m betrug, steigt seine Mächtigkeit an der Nordgrenze bis zu 490 m an.
C.) Tektonik des Karbon.
Die Schachtanlage Friedrich Thyssen 2/5 baute auf dem Südflügel der Lippemulde, die vom Zweckel Auguste - Viktoria - Sattel aus mit regelmässig 8-10 gon nach Norden einfiel.
Der Abbau bewegte sich in den Teufen von 600 – 1000 m. Als liegendes Flöz war Albert 2 und als Hangendes Flöz Loki aufgeschlossen.
Schacht 2/5 in Zahlen
Alter: 80 Jahre.
Gesamtförderung seit Bestehen: 91,5 Millionen Tonnen Steinkohle.
Belegschaften: Vier Generationen arbeiteten in der Grube.
Grubenfeld: 19,4 km².
Nord Südstrecke 6 Kilometer - Ostwest  Ausdehnung 3 Kilometer
Hier werfen wir einen Blick in das Füllort auf der 9. Sohle von Schacht 2.
Seit Jahresbeginn 1966 war das Füllort in Betrieb. Wir waren hier, in rund 1000 Meter Teufe. Die Aufnahme ist während der vollen Förderung gemacht. Unaufhörlich rollten damals die Kohlenzüge zum Schacht. Rund 2000 dieser Großraum-förderwagen, von denen jeder etwa 2,3 Tonnen Rohförderung fasste, mussten täglich hier aufgeschoben und mit den sechsstelligen Förderkörben zutage gefördert werden.
Das auffälligste an diesem Bild: man sieht keine Menschen ausser dem „Maschinisten“ in seinem Glashäuschen. Er allein genügte, um die automatisierte Förderung zu bewältigen - auch ein Zeichen der Mechanisierung.
Die unterste Sohle war die 9. Sohle, und war bei 1000 m ausgesetzt.
Größte Schachtteufe: war 1023 Meter.
Zechen in Duisburg
Zwei der bedeutendsten Zechengründer in Duisburg, möchte ich besonders erwähnen, es waren Franz Haniel und August Thyssen.
Thyssen übernahm die von Daniel Morian gebaute Zeche Gewerkschaft Hamborn, die 1871 in Gewerkschaft Deutscher Kaiser (Schacht 1/6) umbenannt wurde. Unter seiner Leitung wurde diese Zeche zur grössten Schachtanlage in Duisburg ausgebaut.
In Meiderich und Laar förderten die Zechen Westende und Ruhr und Rhein ab 1871 Kohle. Doch 1889 musste die Zeche Ruhr und Rhein schon stillgelegt werden.
Franz Haniel war es schon 1832/34 in Essen gelungen, mit Hilfe des Schachtbaus die Mergel - Kreideschicht zu durchstossen. Ab 1851 führte er Bohrungen am linken Niederrhein durch. Der Schacht Rheinpreußen I wurde 1857 abgeteuft. Die Kohleförderung begann wegen grosser Schwierigkeiten aber erst 1884. Vorher hatte der Schacht Rheinpreußen II schon mit der Förderung begonnen. Zu den Zechen, die der Familie Haniel gehörten, zählte auch die Gewerkschaft Neumühl (gegründet 1867)
Das Bild zeigt die Zeche Neumühl, Schacht III.
Technische Neuerungen
Möglich wurde die steigende Kohleförderung durch die technische Entwicklung. Ungefähr bis zum Jahr 1900 arbeitete man unter Tage noch mit Pferden für den Kohlentransport, Keilhammer und Schippe. Die Kohle wurde mit Schiesspulver aus dem Berg gesprengt.
Danach begann allmählich der Einsatz von Drucklufthämmern und Schrämmaschinen. Auch Förderbänder und Schüttelrutschen wurden erst nach 1900 eingeführt. Früher förderten die Arbeiter die Kohle mit Hanfseilen und Haspeln, die mit Pferdekraft betrieben wurden.
Nach der Erfindung der Dampfmaschine konnte man diese nach 1810 auch zur Kohleförderung einsetzen.
Ausserdem konnte mit Hilfe der Dampfmaschine auch das Wasser aus den Schächten gepumpt werden. Dadurch wurde der Schachtbau ermöglicht. Nach 1850 wurde auch die Seilfahrt für Personen eingeführt.
Geblieben ist die Erinnerung: Bergbau in Duisburg
Schon im Jahre 1302 wurde Steinkohle verwendet. In der „Revier - Chronik“ berichtete die WAZ am 24.7. 1996, dass schon im Jahr 1361 in Duisburg Steinkohle verwendet wurde, um den Sitzungssaal des Rates und das Zimmer des Stadtschreibers zu heizen. Meist wurde die Steinkohle im Tagebau gewonnen. Erst im 17. Jahrhundert begann man allmählich, Steinkohle im Stollenbau zufördern.
Zeittafel
|
1361
|
Erste Rechnung über Steinkohle im Haushalt der Stadt Duisburg
|
|
1792
|
154 Kleinzechen im Ruhrgebiet mit 1357 Arbeitern
|
|
1801
|
Erste Dampfmaschine zum Abpumpen des Wassers auf der Zeche Vollmond in Steele
|
|
1855
|
Schacht Medio - Rhein in Du-Hochfeld (keine Förderung)
|
|
1855
|
Schacht Java in Du-Neuenkamp (keine Förderung)
|
|
1859
|
Schacht Neu -Duisburg in Du-Neudorf (keine Förderung)
|
|
1860
|
361 Dampfmaschinen im Ruhrbergbau
|
|
1876
|
Beginn der Förderung auf der Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser in Hamborn
|
|
1900
|
5227 Dampfmaschinen im Ruhrbergbau
|
|
|
Kohleförderung in 1000 t
|
|
Jahr
|
Duisburger Zechen
|
Ruhrgebiet
|
Deutschland
|
|
1880
|
480
|
22364
|
46974
|
|
1890
|
835
|
35517
|
70238
|
|
1900
|
2761
|
60119
|
109290
|
|
1910
|
6434
|
89089
|
151073
|
|
Duisburger Zechensterben
Seit Beginn der Bergbaugeschichte sind auf dem Gebiet von Alt - Duisburg, zahlreiche Schachtanlagen geschlossen worden.
Es waren dies:
Schacht Westende I/II in Meiderich
Schacht Friedrich Thyssen 1/6,
Schacht 3/7 in Bruckhausen,
Schacht Neumühl,
Schacht 4/8 in Alt-Hamborn,
Schacht 1/2 in Beeckerwerth,
Schacht Westende III/IV
Schacht 2/5 in Marxloh.
Schacht Walsum ab 1. Juli 2008
Die älteste Schachtanlage in Hamborn war Friedrich Thyssen 1/6, die 1876 die Förderung aufnahm.
Die Anlage Beeckerwerth 1/2 war die jüngste Zeche gewesen, von Alt - Duisburg. Sie nahm die
Förderung erst 1922 auf und wurde nach 41 Jahren 1963 still gelegt.
Die Schachtanlage Walsum, war nach der Eingemeindung im Jahre 1975 - die jüngste Zeche.
Die älteste Schachtanlage in Duisburg war: Westende I/II in Meiderich – nähe Viehhof, geteuft 1856.
33 Jahre nach der Eingemeindung von Walsum, wurde auch dieser Schacht im Juni 2008 geschlossen.
Damit ist die Stadt Montan Bergfrei, was 1855 begann endete im Juni 2008.
|