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Die Schachtanlage Beeckerwerth —
ein geschichtlicher Rückblick
Ende Februar 1963 wurden auf der Schachtanlage Beeckerwerth die letzten Kohlen gefördert. Damit wurde unter dem Zwang der Rationalisierung die jüngste Schachtanlage (im Duisburger Raum) nach der verhältnismässig kurzen Lebensdauer von 40 Jahren zum Erliegen gekommen, nachdem sie insgesamt 33 160 000 Mill. Tonnen Kohle gefördert hatte.
Hier einen kurzen Rückblick auf ihre Lebensgeschichte.
Nach der Jahrhundertwende galt es für den Thyssen-Bergbau am Niederrhein, den wachsenden Brennstoffbedarf der Thyssenschen Hüttenwerke und Eisenverarbeitenden Betriebe, insbesondere auch der Hütte in Hamborn - Bruckhausen (jetzige ATH) und der Mülheimer Werke, sicherzustellen. Die Schächte wurden zu Doppelschacht-anlagen ausgebaut.
Als letzte Anlage kam damals im Jahre 1922 die Schachtanlage Beeckerwerth 1/2 in Förderung. Standort dieser Anlage wurde eine Rheinhalbinsel, die durch Auskiesung des Rheinstroms nach Westen zwischen Duisburg-Ruhrort und Hamborn gebildet. Unmittelbar neben der Schachtanlage her führte die Eisenbahnlinie Oberhausen — Neumühl — Hohenbudberg. Noch im Jahre 1913 wurde auf dieser Halbinsel ausschliesslich Landwirtschaft betrieben. Es befanden sich dort blühende Höfe, wie der Köpershof der Hagenackershof, der Östrichhof, der Stempelshof und Haus Knipp. Sie alle lagen auf fruchtbarem Ackerboden, mussten aber den entstehenden Industrie- und Siedlungsanlagen weichen. Zum Teil wurden damals diese Höfe als Wohnungen und Wohnheime ausgenutzt.
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Unmittelbar dort, wo die Schachtanlage Beeckerwerth lag, dehnten sich sogar noch im Jahre 1915 die Wiesen und Weiden des Hagenackerschen Hofes aus, den die Abbildung im Hintergrunde zeigt; der Hof steht längst nicht mehr. Die beiden Stäbe links, wurden am 23. Juli 1915 gesetzt und geben bereits die Stellen an, an denen die Schächte später abgeteuft wurden.
Der für die Errichtung der Schachtanlage Beeckerwerth erforderliche Grundbesitz wurde im Wesentlichen durch den Ankauf dieses Hofes, des Hauses Knipp und des Östrichschen Hofes zusammen gebracht.
Das Haus Knipp wurde mit dem zugehörigen Grundbesitz von 176,48 Hektar im Jahre 1914 vom Herzog von Arenberg erworben — stammt aus dem Jahre 1835. Den 13,11 Hektar grossen Hof von Heinrich Östrich hatte man bereits im Jahre 1906 aufgekauft; der 27,1 Hektar grosse Hagenackersche Hof wurde 1918 erworben.
In der Abbildung sehen wir den Hof, mit der Wäsche im Hintergrund der Schachtanlage (hier hinten links im Bilde).
Das Abteufen der Schachtanlage in dem mit Rücksicht auf den Rhein und die tiefe Lage der Tagesoberfläche, wurde durch bergpolizeiliche Auflagen erst möglich, als die langwierigen Bemühungen um Erleichterung dieser Auflagen (betreffend Abbau) im Rheindeich Sicherheitspfeiler unter dem Rheinstrom abbauen zu dürfen. Das Kohlengebirge war in diesem Baufeld überlagert von einem Deckgebirge, das bis zu 200 m Mächtigkeit hatte, und in diesem Deckgebirge traten verschiedene stark Wasserführende Fließsandschichten auf.
So musste das Abteufen der Schächte 1 und 2 der Schachtanlage Beeckerwerth nach dem Gefrierverfahren erfolgen, dass von der Schachtbau Thyssen GmbH durchgeführt wurde und dass vorher schon mit grossem Erfolg bei dem Abteufen von Schacht 5 in Aldenrade sowie der Schächte Lohberg 1 und 2 und Wehofen 1 und 2 angewandt worden war. Schliesslich konnte man, im Jahre 1915 mit dem Niederbringen der Gefrierrohre und dem Gefrieren beginnen.
Mitten im Ersten Weltkrieg am 15. Mai 1916 wurde dann mit dem Abteufen des Schachtes 1 begonnen. Nennenswerte Schwierigkeiten ergaben sich beim Abteufen nicht. Auch die von 75,6 bis 86,7 m Teufe im Deckgebirge vorhandene, rd. 11 m mächtige Fließsandschicht hat keine Schwierigkeiten verursacht. Am 26. April 1921 wurde dann bei einer Teufe von 186,5 m das Steinkohlengebirge erreicht.
Die erste Bausohle von Beeckerwerth Schacht 1 wurde bei 350 m angesetzt.
Trotz der Nöte der Kriegszeit und der ihr folgenden schwierigen Inflationsjahre hat man den Bau der Tagesanlagen fortführen können; bei Kriegsende, am 6. Dezember 1918, war der wiedergegebene Zustand erreicht. Die im Hinblick auf das Rheinhochwasser und die Anschlussmöglichkeit an die Reichsbahn für zweckmässig gehaltene Erhöhung des Geländes bei den Schächten um etwa 7 m, die hier gut zu erkennen ist, war vollendet. Der Bau des Schachtgerüstes und der Schachthalle sind in vollem Gange.
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Am 14. März 1923 wurden durch die im östlichen Trum des Schachtes 1 in Betrieb genommene Förderung die ersten Kohlen zutage gebracht; die erste Seilfahrt der Belegschaft erfolgte am 19. März 1923. Bis dahin hatten die im Baufeld Beeckerwerth arbeitenden Bergleute auf der Benachbarten Schachtanlage Friedrich Thyssen 3/7 anfahren müssen, von der aus das Baufeld Beeckerwerth bereits ausgerichtet wurde. Die regelmässige Förderung konnte auf der Schachtanlage Beeckerwerth jedoch erst im Juni 1923 aufgenommen werden.
Mit der Vervollkommnung der technischen Anlagen hielt der Ausbau der Siedlung Beeckerwerth Schritt; neue Wohnsiedlungen wurden erstellt. In den Jahren 1952 bis 1954 entstand auch das Pestalozzidorf Beeckerwerth, bekannt geworden durch das gelungene Experiment der Familienerziehung der Berglehrlinge sowie durch die Unterbringung und Betreuung von Ausländischen Praktikanten. Das Gemeinschaftshaus des Pestalozzidorfes, war schon seit einigen Jahren ein „Haus der offenen Tür“ ist zum kulturellen Mittelpunkt der gesamten Siedlung Beeckerwerth geworden.
Die Förderung wurde dann in der Folgezeit ständig in die Höhe gebracht. Belief sie sich im Jahre 1923 noch auf 26 850 t, so betrug sie im Gründungsjahr 1926 der Vereinigte Stahlwerke AG bereits 414 920 t und stieg bis auf 842 230 t im Jahre 1929, in drei Jahren also fast auf das Doppelte. Die Belegschaft stieg an von 367 im Jahre 1923 auf 1842 im Jahre 1926 bis auf 2448 im Jahre 1929.
Mit dem Abteufen von Schacht 2 war am 10. Januar 1925 begonnen worden. Bereits am 2. Oktober 1925 erreichte man hier das Steinkohlengebirge. Seit März 1927 diente er als Wetterschacht. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Bewetterung der Grube mit Hilfe eines Wetterscheiders im Schacht 1, in dem im Juli 1925 auch die Förderung im westlichen Trum aufgenommen wurde.
Abbildungen zeigen den Zustand der Anlage am 1. April 1926 und im Januar 1930.
Grössere Umbauten erfolgten in der ersten Hälfte der 50er Jahre an der alten aus dem Jahre 1926 stammenden Kohlenwäsche. Das wurde erforderlich, weil die Beschaffenheit der Rohkohle ungünstiger geworden war. So wurde damals in zwei Bauabschnitten eine völlige Modernisierung des Wäschebetriebes durchgeführt.
In der Abbildung unten sieht man das Verwaltungsgebäude der Schachtanlage, wie es Mitte der dreissiger Jahre aussah.
Im Durchschnitt förderte die Schachtanlage Beeckerwerth im Jahre 1956 bis 1962 — täglich 3033 t Kohlen, und zwar in der Hauptsache Gas und Gasflammkohlen.
Die Belegschaft umfasste Ende 1962 rund 1300 Mitarbeiter unter Tage und rund 500 Arbeiter über Tage sowie rund 160 Angestellte.
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