|
Er formte das Gesicht einer Landschaft und seine Bedeutung
für die Industrialisierung des Niederrheins
August Thyssen wurde am 17. Mai 1842 in Eschweiler bei Aachen als Sohn des Direktors eines kleinen Eschweiler Drahtwalzwerkes geboren. Nach gründlicher technischer (Technische Hochschul e in Karlsruhe) und kauf-männischer Ausbildung schritt er, erst 25 Jahre alt, den ersten industriellen Versuch. Mit 8.000 vom Vater vorgeschossenen Talern gründete er 1867 gemeinsam mit Verwandten ein Bandeisen - Walzwerk in Duisburg.
Unter den Grossen schöpferischen Wirtschaftsführern, die an der industriellen Gestaltung des Industriereviers entscheiden-den Anteil genommen haben, ist August Thyssen zu einem besonderen Begriff geworden.
Die Beschäftigung mit seinem Lebenswerk führt mitten hinein in das Revier, das etwa seit 1870 einen stürmischen Aufschwung erlebte. Thyssen stand damals an der Spitze der ersten Eisen Industriegründung in Mülheim und ist in der Folgezeit einer der tragenden Pfeiler der Wirtschaft an der Ruhr geworden. Auf seinen Einfluss ist es in der Hauptsache zurückzuführen, dass in dem Raum zwischen Mülheim und Hamborn in wenigen Jahrzehnten grosse Arbeiterstädte heranwuchsen.
Ein markantes Beispiel hierfür ist Hamborn. 1889 hatten die Hamborner Bauernschaften 7 304 Einwohner; im Jahre 1904 zählte die selbständige Gemeinde Hamborn 34 144 Einwohner; 1905 waren es 70 356 und im Jahre 1910 bereits 102 800 Einwohner, so dass Hamborn am 1. April 1911 Großstadt wurde. Wie kam es, zu dieser Entwicklung?
Während um 1888 die Gewerkschaft Deutscher Kaiser (GDK) ihren Schacht 2 im Hamborner Nordbezirk Aldenrade vortrieb, trat der neue Grubenvorstand August Thyssen auf den Plan, um die Kohleförderung zukünftig mit Eisen und Stahl zu verbinden. Noch 1867 hatte er sich mit Thyssen, Fossoul & Co. an dem Standort versucht, wo heute die Industrie- und Handelskammer steht. ( gegenüber vom Duisburger Hauptbahnhof)
Unabhängigkeit in der Rohstofffrage
August Thyssen erkannte bald, dass es für die Weiterentwicklung seiner Unternehmen wichtig war, in der Rohstoffrage unabhängig zu werden, denn bei der Preisgestaltung für die von ihm hergestellten Erzeugnisse spielten das Roheisen und die Kohle mit ihren stark schwankenden Preisen eine entscheidende Rolle. Nur der Besitz eigener Kohlenfelder und Eisenerzgruben sowie eigener Hüttenwerke gestattete, allen Schwankungen der Konjunktur Trotz zu bieten.
Er beteiligte sich deshalb 1873 an dem Kauf von Aktien des 1872 durch Friedrich Grillo gegründeten Schalker Gruben- und Hüttenvereins. Daneben erwarb er Kuxe von Gewerkschaften (Bergwerks Anteile). Im Mündungsgebiet der Emscher fand August Thyssen damals eine einmalige Gelegenheit zum Vorstoss an den Niederrhein, durch den Erwerb der ersten Kuxe der Gewerkschaft Deutscher Kaiser in Hamborn.
Das Gebiet des Niederrheins war schon vorher auf Kohle hin durchforscht worden. Erinnert sei an die Zechen Westende und Ruhr- Rhein; aber beim Abteufen der Schächte war man auf Fliess - Sandschichten gestossen, die das Niederbringen der Schächte mit den damaligen Mitteln meist unmöglich machten. Die Kohlenfelder im hiesigen Raum waren von dem Landwirt Daniel Morian gemutet und erbohrt worden
Ein Phönix bringt Arbeitsplätze
Beeck und Laar verlor weit vor der Jahrtausendwende ihren Dorfcharakter, eine stetig wachsende Bevölkerung erlebte die industrielle Revolution.
Die Laarer sahen die Hüttenkulisse das Phönix Werk wachsen - seit 1856. In Ruf- bzw. Rußweite entstanden 1871 dazu die Rheinischen Stahlwerke, die Meiderich (1875 – 1905) zu Stadtrechten verhalfen. Mit dem Rheinstahl - Bogen hat sich das, um 1972 übernommene Unternehmen noch im Thyssen - Firmenzeichen erhalten können. Jetzt sollte es unter die Erde gehen.
Laar hatte seine Hüttenarbeiter vom Hunsrück oder aus Belgien bekommen
1867 konsolidierte er die Gewerkschaft Hamborn, doch auch mit Maschinen ging es nur langsam voran. Die Ereignisse von 1870/71 brachten den Gewerken dann einen neuen Namen und den Deutschen zugleich einen neuen Monarchen.
Man nannte sich Gewerkschaft ,,Deutscher Kaiser“. Erste Wirtschafts- und Gründerkrise Ade? Hafenpläne und Zechen Bahnanschlüsse konnten langsam realisiert werden.
Schon 1879 / 80 kam auch die Zinkhütte zurück, jetzt ins geographische Zentrum der Bürgermeisterei - das Werk auf Hamborner Gebiet, die Verwaltung nebenan in Beeck-Bruckhausen. Der Busch bzw. Wald Bremmenkamp am Schweinsbruch verschwand allerdings unter einer Schlackenhalde. An der heutige Pollmann - Kreuzung stand bis dahin nur eine Schmiede mit Gasthof. Keiner konnte ahnen, wo welche Fabrik als nächste entstand. Der meist begüterte Heinrich Schulte - Marxloh wusste allerdings. ,,Nicht Hier!“
|